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Kein fließend Wasser, aber dafür garantiert eisgekühltes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nowosibirsk

 

Episode: Katzenjammer in Tschebula

 

... Pawels buschiger Schnurrbart ist genauso grau wie sein Haupthaar, das vom Tragen der Pelzmütze zersaust ist und in alle Richtungen stippt. Er ist nicht besonders groß, dafür aber recht breit gebaut und hat kräftige Hände. An dem robusten Sibirier sind die Jahre nicht spurlos vorüber gegangen. „Das Kreuz will nicht mehr so recht“, sagt Pawel und hält sich mit einer Hand den Rücken, während er sich bückt. Mit der anderen fischt er nach Muschka. Die schwarze Katze mit dem weißen Halsfleck ist für Pawels Geschmack etwas zu aufdringlich geworden, ist zu gierig um den Tisch geschlichen. Muschka entwindet sich aber geschickt dem drohenden Zugriff. Das scheint Pawel erst richtig zu gefallen, er lacht rau auf und bei der nun einsetzenden Jagd sind seine Rückenschmerzen zweitrangig: „Muschka, Muschka!“ Jetzt geht es durch die ganze Küche.

 

Katze Katze, ich krieg dich doch...

 

Die Fluchtversuche der Katze wirken dennoch nur halbherzig, so richtig erzürnen will sie ihren alten, behäbigen Meister wohl nicht. So bekommt er sie schließlich zu packen, wenn auch aus Katzensicht recht suboptimal. Am Ohr hat er sie erwischt und das klemmt nun zwischen Pawels Daumen und Zeigefinger fest wie in einer Schraubzwinge. Er hebt sie hoch wie eine alte Socke, hält sie sich vors Gesicht und betrachtet die Katze, lacht, als wolle er ihr damit seinen triumphalen Sieg nachhaltig einprägen. „Oh Muschka, Muschka.“ Die Katze lässt sich ergeben hängen, den Kopf schräg, ein Auge zugekniffen, den Körper ganz schlaff, alle Wildheit ist verflogen. Aber auch keine Schmerzensschreie, kein jammerndes Maunzen ist von Muschka zu hören, während sie recht ruppig nach draußen befördert wird. Eins wird klar. In Sibirien herrschen nicht nur rauere Sitten, hier ist auch jeder härter im Nehmen.

 

Robustes Mandat

 

Davon könnte auch Pawels zweite Katze ein Lied singen, die er einfachheitshalber nur Koschka – also Katze – getauft hat. Sie braucht sich keine Sorgen mehr zu machen, dass ihr alter Herr sie mal unsanft an den Ohren nach draußen befördern wird, denn sie hat gar keine mehr. „Abgefroren“, sagt Pawel, „Koschka ist im vergangenen Winter mal eine Nacht zu lange draußen herum gestreunert.“...

 

 

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Jürgen Heup ©