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Graukraniche sind scheue Vögel. Menschen lassen sie kaum näher als 300 Meter an sich heran. Für Aufnahmen wie diese ist daher schon eine Portion Glück und ein Teleobjektiv nötig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schreitvogel ist wahrhaft ein passender Ausdruck: Bei der Nahrungssuche verzichten Kraniche mitunter aufs energieaufwendige Fliegen und sind kilometerweit per pedes unterwegs.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

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Graukraniche - Die "Schneegänse" kommen

 

(Kapitel aus: Bär, Luchs und Wolf
Die stille Rückkehr der wilden Tiere)

 

Schon von weitem kündigten trompetenartige Rufe ihr Kommen an. In langen Ketten flogen sie über die Eifelhöhen. Als kleiner Junge spitzte ich dann die Ohren und hielt Ausschau, um nur ja keine der imposanten Zugvogelformationen am Himmel zu verpassen.

 

Bei ihrer Ankunft Mitte Oktober waren wir Kinder meist in den Wäldern unterwegs beim Holzsammeln fürs Martinsfeuer. Beim ersten „Gruh Gruh“ lief ich auf eine Lichtung oder Bergkuppe, von wo aus man eine gute Sicht hatte. Fantastisch, wenn eine Gruppe dieser großen Vögel in einem Keil mit dem gut zu hörenden rauschendem Flügelschlag über einen hinweg flog. Die Leute sagten dann: „Die Schneegänse kommen, jetzt wird es Winter.“

Aus meinem ersten Vogelbuch erfuhr ich, dass es keineswegs Gänsevögel, sondern Graukraniche aus Nordeuropa waren, die da mit langem Hals und den typisch lang ausgestreckten Beinen hoch am Himmel über meine Heimat in ihr Winterquartier nach Spanien zogen.

Trafen sie in der Dämmerung oder bei schlechter Sicht bei uns ein, flogen die Vögel sehr tief und kreisten, als suchten sie einen Landeplatz. Dann klangen ihre Rufe so nahe, dass ich ihnen oft in der Dunkelheit hinterher lief, immer in der Hoffnung, ihr Nachtlager zu finden. Aber es gelang mir nie.

 

Kranichtrompeten sind kaum zu lokalisieren

 

Als ich 20 Jahre später im Oderhaff unterwegs war, in einem Auwald an der deutsch-polnischen Grenze, da hörte ich wieder dieses Trompeten aus meiner Kindheit. Doch diesmal kam es nicht aus der Luft, sondern vom Boden. Es schallte laut und geradezu unheimlich durch den Wald. Ich wusste, das sind die Duett-Rufe eines Kranichpaares – vielleicht hatte ich jetzt eine Chance, mich heranzupirschen und die Kraniche an ihrem Nest zu beobachten. Ich kletterte durchs Unterholz, watete durch schmatzend feuchte Sumpfwiesen, lauschte immer wieder den schmetternden Rufen, versuchte die Richtung des Schalls zu orten. Es klang so nah, aber es war wie verhext. So große Schreitvögel mit ihrem auffälligen grau-schwarz-weißen Gefieder und einer leuchtend roten Kopfplatte mussten doch zu entdecken sein? Doch ich fand sie nicht. ...

 

 

 

 
 

Jürgen Heup ©Fotos Pixel-Quelle