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Auf heißen Kohlen: Ist das Holz zu Holzkohle verschwelt, öffnet der Köhler den Meiler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

Männer mit Kohle

 

(erschienen in: Country Heft 5/2005)

 

Noch vor 100 Jahren zogen Köhler durch unsere Wälder. In unzähligen Kohlenmeilern verschwelten sie Holz zu Holzkohle. Bis der Kohlenbergbau ihren Berufsstand schließlich überflüssig machte. Doch tief im Harz lebt die schwarze Zunft wieder auf.

 

Dicke Qualmwolken steigen aus dem Kohlenmeiler, der aussieht wie ein riesiger Ameisenhaufen. Und oben drauf steht ein Mann mit schwarzem Filzhut, der mit einer Stange in dem ellenbreiten Schacht stochert, aus dem der Rauch dringt. Dann stopft er einige Holzscheite hinein. Funken stieben heraus. Sie jagen wütend knisternd durch die Luft. Den Mann lässt das unbeeindruckt. Hektisch bewegen darf er sich auch nicht, denn sollte er einbrechen, dann findet er sich mitten in einem 500 Grad heißen Glutofen wieder.

 

Das Köhlerhandwerk autodidaktisch erlernt

 

Im Wald zwischen Hasselfelde und Altenbrak im Harz liegt die Köhlerei Stemberghof von Peter Feldmer. Der drahtige 62-jährige ist einer der letzten, die noch Holz zu Holzkohle verschwelen. „Nee, `ne Ausbildung zum Köhler habe ich nie genossen“, sagt er im typisch Magdeburger Tonfall, „das ist aber auch kein klassischer Lehrberuf mit Gesellenprüfung. Früher musste einer zehn Jahre mit einem erfahrenen Köhler umherziehen, dann durfte er seine eigenen Meiler anstecken.“ Peter Feldmer hingegen hat Forstwirtschaft studiert. Während seiner Dienstzeit im Harz entdeckte er sein Interesse für die Köhlerei, deren Spuren auch heute noch überall in den Wäldern zu finden sind: kreisrunde Plätze mit schwarz verbrannter Erde. Bald wälzte er Fachbücher und Chroniken und sprach mit alten Waldarbeitern, die noch als Köhler gearbeitet hatten, um mehr über dieses geheimnisvolle Handwerk zu erfahren. Schließlich fiel die Mauer und er sah die Chance für seine neu gewonnene Leidenschaft: Seine eigene Köhlerei.

 

Ganze Wälder gingen in Rauch auf

 

Die Handwerkszunft der Köhler war bis ins 19. Jahrhundert hinein noch weit verbreitet. Wie heute über dem Waldrücken bei Hasselfelde rauchte es damals überall in den deutschen Mittelgebirgen. Die Köhler zogen vom Frühjahr bis zum Herbst durch die waldreichen Gebiete und verkohlten unzählige Bäume in ihren Meilern. Das Produkt, nahezu reiner Kohlenstoff, war in den Schmelzöfen der Eisenerzhütten und in den Essen der Stahl-Schmieden sehr begehrt, denn Holzkohle verbrennt doppelt so heiß wie Holz. Und wegen der geringeren Masse ließ es sich leichter in die Industrieregionen transportieren. Schließlich verdrängte aber die Steinkohle die Holzkohle. „Gott sei Dank“, sagt Peter Feldmer, „dem Energiehunger der Industrie wären sonst unsere ganzen Wälder zum Opfer gefallen.“

 

 

Teil 2 : hier

 

 

 

Jürgen Heup © Foto Feldmer