START

PROFIL

REPORTAGEN

BÜCHER

IMPRESSUM

 

 

Ein Sprichwort sagt: Wo Elche sind, sind Wölfe nicht weit - und umgekehrt. In einigen Regionen Deutschlands findet sich das ungleiche Paar wieder ein.
Also Augen auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

Achtung Elchwechsel!

 

(erschienen in: Natur&Kosmos 07/2004)

 

In Schweden und Norwegen gehören die sanften Riesen zum Alltag. In Deutschland hingegen sind sie schon lange verschwunden. In den letzten Jahren reiben sich Menschen im Osten der Republik ungläubig die Augen: Elche wandern durch Sachsen und Brandenburg. Auch in Bayern tauchten sie im vergangenen Jahr wieder auf.

 

Alarmiert von der Nachbarin war Helmut Klemm aus dem Örtchen Niewisch in Brandenburg in sein Auto gesprungen und raus zu den Weiden gefahren. Als der Bauer dort ankam, wollte er seinen Augen nicht trauen. War das braune Tier da zwischen seinen Kühen nicht ein Elch? „Als ich näher herangehen wollte, trabte der langsam davon“, erzählt Helmut Klemm. „In aller Eile bewaffnete ich mich mit einem Fotoapparat und bin hinterher. Und im Wald stand er plötzlich vor mir. Tatsächlich ein Elch, keine 30 Meter entfernt. Das war vielleicht ein erhabener Moment“.

 

Skeptikern kam die Sache reichlich spanisch vor

 

Auch die Presse fand, dass diese Begegnung etwas Besonderes war. So wurden Helmut Klemm und der Elch aus Niewisch Ende der 90er zu einer lokalen Berühmtheit. Bald war von ähnlichen Begebenheiten in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zu lesen. Es meldeten sich immer mehr Augenzeugen zu Wort. Gleichzeitig gab es aber nicht wenige Menschen, denen die Sache reichlich spanisch vorkam: „Elche in Deutschland? Und das nur fünfzehn Autominuten entfernt von Berlin?“

 

Für die Skeptiker schien der Gipfel der Elch-Märchen im Jahr 2001 erreicht: Aufgeregte Dresdener wollten „einen dieser skandinavischen Hirsche“ in ihren Vorgärten entdeckt haben. Doch die Spötter verstummten bald, denn dieser Elch blieb keine reine Zeitungsgeschichte, sondern wurde schließlich auf einer Straßenkreuzung von der Polizei gestellt. Ein männliches Jungtier, das allerdings in Panik geriet und sich tödlich verletzte. Sein Kopf war bald darauf ausgestopft im Dresdner Tierkundemuseum zu bewundern.

 

Mit dieser Trophäe vor Augen wurde auch den letzten Zweiflern klar, dass tatsächlich Elche in Ostdeutschland umherwandern. Da verwunderte es kaum einen mehr, als auch Bayern im Herbst 2004 Elche meldete. Alles in allem scheinen nicht mal so wenige der braunen Riesen durch deutsche Wälder zu streunen: Allein in Brandenburg gab es in den letzten Jahren über 50 Meldungen.

 

Teil 2: hier

 

 

 

Jürgen Heup © Foto PixelQuelle