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Ein Profi und sein Equipment: Ulrich Panzer unterwegs mit Spektiv - einem Fernrohr,
das um das 20 bis 40-fache vergrößert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

Birdwatcher - Von Vögeln betört

 

(erschienen in: Natur&Kosmso 04/2005)

 

Eine Silhouette hoch am Himmel oder ein graues Federknäuel, das blitzschnell von Busch zu Busch huscht: Vogelarten bestimmen ist die Leidenschaft der Birdwatcher. Im Herbst und im Frühjahr, wenn die Zugvögel auf der Durchreise sind, dann richten sich die Hobby-Ornithologen mit ihren Ferngläsern an den Rastplätzen ein.

 

Nebelschwaden kriechen über die Ufer und Wiesen am Gülper See. Es ist früh am Morgen im Havelland. Doch von Stille kann keine Rede sein. Auf dem See hat eine riesige Schar Wildgänse die Nacht verbracht und jede einzelne scheint erwacht zu sein. Aus ihrem zigtausendfachen Geschnatter ist nur noch das markante Trompeten einer Kolonie von Kranichen herauszuhören. Alle anderen Vogelarten, die ebenfalls auf dem See übernachtet haben, fallen von der Lautstärke nicht mehr ins Gewicht.

 

Im Frühjahr und Herbst ist der Gülper See in Brandenburg Rastplatz für Zugvögel aus Nord und Osteuropa. An die 200.000 Wildgänse und 5000 Kraniche haben Ornithologen dort schon gezählt. Dieses fantastische Spektakel ist Ziel von Vogelfreunden aus der ganzen Republik – auch an diesem Morgen. 16 Vogelbeobachter haben bei empfindlicher Kälte noch vor der Morgendämmerung ihre Fernrohre auf dem Deich postiert. Stocksteif harren sie aus, die Hände tief in den Jackentaschen. Immer wieder blicken sie durch die Okulare, bis sich endlich die Dunstschleier lichten. Was Ihnen im Nebel noch wie eine wabernde Insel auf dem See erschien, daraus wird jetzt ein Heer von Vögeln, dicht an dicht gedrängt.

 

Nicht nur sehen - sondern auch hören

 

Reiseleiter der Gruppe auf ihrer einwöchigen Tour ist Christoph Moning. Als Jugendlicher begann er Vögel zu beobachten, heute hat der 29-jährige alle Arten und Merkmale abrufbereit im Kopf. Kein Vogel scheint seine Identität vor ihm verbergen zu können, nicht einmal wenn dieser in der Masse von Vögeln beinahe untergeht. „Sehen sie im rechten Pulk der Blässgänse die ungewöhnlich helle Blässgans? Das ist ein Albino. Und hinten in der Bucht die vier weißen Vögel? Egreta alba, Silberreiher. Sieht man nicht so häufig in Deutschland.“ Doch der Fachmann hat nicht nur Augen für die größeren Vögel. Als aus dem kleinen Wäldchen im Rücken der Gruppe ein zartes „Kip-Kip Kip“ klingt, senkt er sein Fernglas. „Haben Sie das gehört?“, fragt Christoph Moning in die Runde. Der junge Reiseleiter lächelt verschmitzt, als habe er gerade jemanden beim Versteckspiel entdeckt. „Ein Fichtenkreuzschnabel.“

 

Teil 2 : hier

 

 

Jürgen Heup © Foto Heup