START

PROFIL

REPORTAGEN

BÜCHER

IMPRESSUM

 

 

Meister Bockert wird der Biber im Volksmund genannt: Tagsüber lässt er sich kaum blicken. Vielmehr ist er in der Dunkelheit aktiv und dann gut durch seine Geräuschkulisse zu lokalisieren: Am schmatzenden Nagen und dem plötzlichen "Patsch", wenn er bei Gefahr mit seiner Schwanzkelle laut schallend aufs Wasser schlägt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Biberspuren sind ziemlich eindeutig, ihre Fähigkeit Bäume zu fällen einzigartig im Tierreich. Dass die Bäume häufig bibergerecht ins Wasser fallen hat aber nichts mit Kalkül und Können zu tun. Reiner Zufall, da Uferbäume auch gerne mit einem Übergewicht Richtung Wasserfläche wachsen .

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

zurück

 

 

Was fressen Biber denn bitteschön?

 

(Kapitelausschnitt aus: Bär, Luchs und Wolf
Die stille Rückkehr der wilden Tiere
)

 

Die Nahrung der Biber sorgte schon immer für Verwirrung. Früher glaubte man gar, dass sie auch Fische, Muscheln oder Schnecken fressen würden, was auf Verwechslung mit Fischottern beruhte.

 

...Biber sind reine Vegetarier. Sie verspeisen im Sommer hauptsächlich Wasserpflanzen, Wurzeln und Kräuter entlang der Ufervegetation. Auch Klee, Mais, Rüben, Getreide oder Obst verschmähen sie nicht, wenn es ihnen vor die Nase kommt. Im Winter weichen sie mangels zarter Triebe vor allem auf Weichhölzer wie Weiden und Pappeln aus

Dazu fällen sie noch im Sommer die belaubten Bäume, nagen bis zu zwei Meter lange Äste ab und legen unter Wasser Nahrungsdepots an. Da Biber keinen Winterschlaf halten, jedoch bei eisiger Kälte wochenlang im Bau ausharren müssen, können sie sich dann an Grünzweigen aus ihrem „Kühlschrank“ bedienen, den sie unter Wasser angelegt haben. Tatsächlich ist Holz für Bibermägen unverdaulich, sie verwerten nur die

Blätter und die Rinde der Äste.

 

Bau(m)meister Biber

 

Biber fressen zwar kein Holz, aber sie können mit ihren scharfen Zähnen, die lebenslang nachwachsen, selbst härtestes Eichenholz durchnagen. So fällen sie ohne Probleme Bäume mit Durchmessern von über einem halben Meter. Aber Biber nagen die Bäume nicht nur durch, um an Nahrung zu gelangen. Einige Bäume bringen sie nur zum Absterben, indem sie sie systematisch ringeln. Das bedeutet, dass die Tiere ringförmig die Rinde im unteren Bereich des Baumes abziehen. Dabei wird die Wachstumszone (das so genannte Kambium) verletzt und der Baum stirbt. Als Folge gelangt mehr Licht auf den Boden und es sprießen wieder mehr junge Triebe. Außerdem nutzen Biber Bäume auch für ihre wasserbaulichen Aktivitäten. Die Fallrichtung können sie aber nicht beeinflussen, die ist reiner Zufall. Die Bäume landen nur deshalb häufig bibergerecht im Wasser, da Uferbäume auch gerne mit einem Übergewicht Richtung Wasserfläche wachsen. Gezielter geht der Biber beim Dammbau vor. Er legt Staudämme an, wenn ihm die Wassertiefe nicht ausreicht, um sich schwimmend oder tauchend fortzubewegen. Außerdem wird vermutet, dass das Wasserrauschen Bauaktivitäten auslösen. Von diesem Geräusch scheint er wie in den Bann gezogen zu werden und beginnt sofort, mit Holz, Steinen und Schlamm einen Damm zu bauen, der bis zu 100 Meter breit sein kann. Oder er dichtet einen bestehenden Damm wieder ab.

 

Herr der Fluten

 

Dadurch staut er kleine Fließgewässer zu regelrechten Seen auf, in denen er dann bequem seine Biberburg anlegen kann. Wichtig für sein Wassergrundstück ist eine Wassertiefe von etwa einem Meter: Das gewährleistet, dass der Grund des Sees auch im Winter nicht zufriert und der Eingang zu seinem Bau zum Schutz vor Feinden unterhalb der Wasseroberfläche angelegt werden kann. An Flüssen gräbt der Biber meist Erdbaue in die Uferböschung. Steigt aber infolge eines Dammbaus der Wasserstand an, so werden die Uferbaue, von denen eine Biberfamilie auch durchaus mehrere besitzen kann, überflutet. Dem Biber bleibt also nichts anderes übrig, als seinen Wohnkessel höher zu verlegen. Dazu trägt er über dem Erdbau einen Haufen aus Hölzern, Pflanzenmaterialien und Schlamm zusammen, wohinein er anschließend von unten seinen geräumigen Wohnkessel gräbt, so, dass er oberhalb des Wasserspiegels im Trockenen liegt. Dasselbe Prinzip wenden die Biber übrigens auch dann an, wenn sie sich in Seen und Sümpfen ihre zum Teil mehrere Meter hohen und breiten Biberburgen anlegen. ...

 

 

 
 

Jürgen Heup ©Fotos Pixel-Quelle