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Sibirien. Im Winter scheint dieses Land wie erstarrt zu sein.

Dennoch bewegt sich

dort einiges.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

Baikalsee im Winter (Text und Fotos)

 

Das Eis scheint hart wie Beton zu sein. Trotzdem reagieren die Nerven bei den ersten Schritten über den See äußerst sensibel. Jedes ungewohnte Knirschen peinigt einen wie ein Stromschlag. Ein Stück weiter draußen hat der Wind den Schnee verweht und die Stiefel schlurfen übers blanke Glatt. Unter den Sohlen ist nur noch eine glasklare Eisplatte darunter verliert sich der Blick im schwarzen Abgrund des Sees. Ob er an dieser Stelle 1637 Meter tief ist? Alle Härchen scheinen sich bei diesem Gedanken aufzustellen. Wahrscheinlich ist das aber normal wenn man zum ersten Mal über den Baikal-See spaziert, den tiefsten See der Erde.

 

Die Einheimischen gehen mit der Tragfähigkeit des Eises etwas gelassener um. Für sie gehört es zum Alltag etwa mit Autos und sogar Lastwagen über den See zu fahren. Zumindest von Januar bis März, wenn das Eis nahezu einen Meter dick ist. Kraftfahrzeuge sind dann das ideale Verkehrsmittel. Aber das bedeutet nicht, dass sie einfach in ihre Karren steigen und dann wild drauflos donnern. Sicher reizt die riesige Eisfläche, eine ausgelassene Schleuderfahrt zu unternehmen. Davon raten aber selbst die Abgebrühtesten ab. Der See hat seine tückischen Stellen, und die sind meist unscheinbar. Etwa Eisverwerfungen. Spitze Eisplatten lauern dort unter der Schneeschicht. Sie haben eine Stoppwirkung auf Pneus wie in Beton gegossenen Eisenstangen.

 

Dass der See permanent in Bewegung ist, Spannungen an manchen Stellen das Eis brechen lassen oder heiße Quellen aus der Tiefe es ausdünnen, merkt nur, wer zu Fuß unterwegs ist. Im Fahrzeug kriegt man es erst mit, wenn es schon zu spät ist. Das ist der Grund, weshalb selbst in den rostigsten Ladas und Urals zumindest die Fahrzeugtüren immer gut geschmiert sind und vor Fahrtantritt auf ihre Gangbarkeit getestet werden. Nur für den Fall, dass man ganz schnell aussteigen muss.

 

Wegen des tückischen Eises werden mit Schildern regelrechte Pisten markiert, die über sichere Eisflächen führen. An diese Markierungen halten sich die Fahrer meist auch. Trotzdem liegen schon zig Fahrzeuge auf dem Seegrund. Verkehrsregelungen hin und her, Alkoholkontrollen gibt es noch keine auf dem Baikalsee...

 

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Jürgen Heup ©Fotos Weich&Heup