Der freie JournalistNachrichten laut gedacht
 
 


Das gesprochene Wort
27.09.2020




Meine aktuellen Artikel


Die Grenzen der Meinungsfreiheit

 

Gesetze haben nur wenig Faszinierendes an sich. Sie lesen sich so langweilig wie das örtliche Telefonbuch und sind an Sachlichkeit nur schwer zu überbieten. Sie zu zitieren ist höchstens für Juristen und vor Gericht spannend. Ein Paragraph allerdings, erlebt gerade einen absoluten „Hype“. Es ist der Artikel 5 unseres Grundgesetzes, in dem die Meinungsfreiheit verankert ist.

Wörtlich heißt es dort: 

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Für mich, als Journalist, ist dieser Artikel existenziell. Ohne ihn würde es eine freie und unabhängige Berichterstattung nicht geben. Funk und Fernsehen, Zeitungen und Internetseiten, sie alle wären vom Staat bestimmt und wohin das führt, das erleben wir tagtäglich in den letzten großen Diktaturen unserer Welt. Dort wird das, was dem jeweiligen Regime nicht gefällt, einfach abgestellt und gesperrt. Dann gibt es eben kein Facebook, kein Twitter und kein Google.

Wir leben in Deutschland in einem freien Land. Bei uns darf jeder sagen, was er denkt. Das ist gut und das darf sich  nicht ändern. Allerdings verwechseln immer Menschen den Artikel 5 des Grundgesetzes mit der Erlaubnis, andere Leute beleidigen zu dürfen und das wiederum geht nicht. Es kann nicht sein, dass sich jemand beschimpfen und deformieren lassen muss, nur weil ein Anderer meint, dazu habe er ja nach dem Gesetz das Recht. Alles muss seine Grenzen haben, auch die Meinungsfreiheit.

Im konkreten Fall geht es um den Publizisten Roland Tichy. Der berichtet in seinem eigenen Blatt („Tichys Blick“) über die Politikerin Swasan Chebli, die im kommenden Jahr für die SPD in den Bundestag einziehen möchte. Er schreibt dazu: „... Was spricht für Swasan? Befreundete Journalisten haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können“. Welch ein Griff in das Klo der verbalen Unverschämtheiten. Die junge Frau schreibt dazu bei Twitter: „Ein besonders erbärmliches, aber leider alltägliches Beispiel von Sexismus gegen Frauen in der Politik.“

Sie hat Recht und es ist gut, dass sie mit ihrem Unmut an die Öffentlichkeit geht. Herr Tichy hat inzwischen eigene Konsequenzen für seinem Fehlverhalten gezogen und einen wichtigen Stiftungsposten aufgegeben, allerdings das auch erst, nachdem sich andere Politiker mit Chebli solidarisch zeigten. Bei Twitter stellt man sich eher auf die Seite des Journalisten. So schreibt ein User: „Sie kleiden, schminken und stylen sich für deutsche Verhältnisse sehr auffällig, geschmacklos und teils vulgär! Erwarten Sie, dass man Ihnen wie einer Nonne begegnet? Treten Sie äußerlich angemessen und dezent auf, dann wird die Resonanz auch entsprechend sein!“

Es ist schon faszinierend, wie hier wieder einmal ein Opfer zum Täter gemacht wird. So geht das nicht. Der Artikel 5 des Grundgesetzes ist wichtig, er ist die Grundlage eines jeden Journalisten, ein hohes Gut. Er darf aber kein Freifahrtschein dafür sein, andere Menschen einfach zu beleidigen und zu erniedrigen. Auch die Freiheit der eigenen Meinung muss Grenzen haben, besonders dann, wenn sie publiziert und öffentlich gemacht wird.
25.09.2020

 


 

Heiße Diskussion bei Markus Lanz

Gut gelaunt aber feurig in der Sache, so präsentierten sich gestern Abend die Gäste von „Markus Lanz“. Der Moderator hatte Kai Lauterbach (Gesundheitsexperte der SPD), Elke Heidenreich (Autorin). Ulrike Guérot (Politikwissenschaftlerin) und Hamed Abdel-Samad (Politologe) eingeladen, um mit ihnen gemeinsam die aktuelle Corona-Politik der Regierung zu diskutieren.

Obgleich die Stimmung nett und harmonisch war, ging es von Anfang an richtig zur Sache. Kai Lauterbach sagte, er sei davon überzeugt, Deutschland befände sich in einer zweiten Welle. Die nächsten zwei bis drei Wochen würden spannend für das Land werden und zeigen, wohin der Weg führe. Einen weiteren Lockdown schloss er allerdings aus. "Den werden wir nicht brauchen".

 

Elke Heidenreich outete sich als Risikopatientin. Sie stellte für sich fest, sie sei über 70 Jahre alt und vorerkrankt. Für Leute, die gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straßen gehen würden, hätte sie kein Verständnis. Wenn die Menschen glauben würden, das Virus sei harmlos, könnten sie gerne demonstrieren und sich anstecken. Die könnten ja dann auch freiwillig ins Krankenhaus. Sie wolle dort aber lieber nicht hin.

 

Einen ganz anderen Blickwinkel auf die aktuelle Situation vertrat Ulrike Guérot. Sie erinnerte an den 11. September und an die ergriffenen Maßnahmen nach diesem. Es seien die Auflagen bis heute nicht zurückgenommen worden und das Fliegen sei auch 2020 noch äußerst schwierig, man müsse sich fast nackig machen, um an Board eines Flugzeuges zu kommen. Ihre Angst: So könnte es auch mit Corona laufen, die Maske können am Ende für immer bleiben.

 

Ein Punkt, den sowohl Karl Lauterbach als auch Elke Heidenreich ablehnten. Das sei ja absurd, sagte die Autorin und der SPD-Gesundheitsminister legte nach: „Stellen sie sich mal vor, wir würden das einfach immer so weiterlaufen lassen. Wer will uns denn dann noch wählen?“

 

Auch Hamed Abdel-Samad gab zu, sich mit den Maßnahmen nicht gerade leicht zutun. Er sagte, er beobachte schon lange ein gewisses Unverständnis der Menschen gegenüber der Politik. Vor 25 Jahren, als er nach Deutschland gekommen sei, wäre das noch nicht so gewesen. Aus der Regierung seien „die da oben“ geworden, gab er zu bedenken. Das Vertrauen in den Staat sei bei vielen Menschen heute gestört. Kritiker, Nachfrager und Denker, so Abdel-Samad, würden gleich in eine gewisse politische Ecke gestellt. Er forderte, jede Maßnahme bei Corona brauche einen Nachweis der wirklichen Sinnhaftigkeit. 

 Das wollte Kai Lauterbach nicht so stehengelassen wissen und erklärte: „Aber, da muss ich nun auch mal gegenhalten dürfen, das ist doch absolut der Fall. Wir machen nichts, was  nicht auch mit einer Studie belegt ist.“

 Einig waren sich allerdings alle Beteiligten darin, dass die Menschen, und zwar alle, unter der Pandemie leiden würden. Ulrike Guérot lobte die Sendung und betonte die Wichtigkeit der politischen Diskussion, die in der Zeit von Corona viel zu kurz gekommen sei.  Fast 80 Minuten diskutierte Markus Lanz mit seinen Gästen. Die Argumente wurden sachlich und klar vorgetragen, die übliche Dramatik anderer Sendungen blieb dankenswerterweise aus. 

Noch bis zum 24.10.2020 kann die Diskussion in der Mediathek des ZDFs angeschaut werden. Es lohnt sich. 

Zur Sendung


 

 

Gefährlicher Fußball

Am Donnerstagabend es mal wieder soweit: Der FC Bayern München muss ein Finale spielen. Im Supercup geht es für das Team von Hansi Flick gegen den FC Sevilla ran. Eigentlich nichts Besonderes, wäre nicht in diesem Fall der Austragungsort ein doch spezieller. Anpfiff, um 21 Uhr ist ausgerechnet in Budapest und damit in einem Corona-Risikogebiet.

Während Millionen von Menschen sich in ihrem Leben dramatisch einschränken müssen und die Fallzahlen in ganz Europa explodieren, gelten für den Fußball, so scheint es, ganz eigene Regeln. Das Spiel verschieben oder den Austragungsort ändern, kommt für die UEFA nicht in Frage. Kein Wunder, immerhin hat sie auch 20.000 Fans in Stadion eingeladen, ganz nach dem Motto: „So schlimm war das doch in Ischgl nicht. Es wird schon nichts passieren und sich so ein Drama wiederholen.“

Virologen und Politiker schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Immerhin besteht die Gefahr, dass es hier und im Stadion zu einem Super-Spread kommt. Da wird es auch einigen bayrischen Fans zu mulmig. 800 Anhänger des Rekordmeisters haben ihren Tickets bereits zurückgegeben, einige Weitere könnten noch folgen. Es gibt aber auch Hartgesonnene, die sich den Spaß an der Freude nicht nehmen lassen wollen. So konnte man gestern im Fernsehen einen Fan in seinem Auto sehen, der stolz verkündete: „Ich mache keine großen Pausen, bleibe im Wagen und gehe wirklich nur ins Stadion. Die Kontrollen der UEFA sind dort wesentlich strenger als die bei uns in der Bundesliga. Da wird mir schon nichts passieren!“ Es lebe der Optimismus.

Trotzdem: Das, was hier veranstaltet wird, das geht nicht.

Ich bin ein großer Fußball-Fan, fiebere am Fernseher mit und feiere jedes Tor meiner Mannschaft. Aber, so wichtig kann und darf kein Fußballspiel sein, das man dafür Menschen und ihre Gesundheit in Gefahr bringt. Wenn wir von Risikogebieten sprechen, dann hört jeder Spaß auf.

Außerdem ist das, was hier gemacht wird, absolut unsolidarisch und ein Tritt ins Gesicht all jener, die sich bisher brav und achtsam an alle Regeln und Auflagen gehalten haben. Wie sehr wurden wir doch alle in unseren Freiheiten beschränkt und weit gehen manchen Orts die Maßnahmen noch immer. Altenheime wurden für die breite Öffentlichkeit gesperrt, Besuche in Krankenhäusern wurden verboten, Masken müssen nahezu überall getragen werden. Abstände sind peinlich genau einzuhalten! Verstöße werden mit hohen Geldbußen geahndet. Alles richtig und nachvollziehbar, wenn es denn nötig ist. Aber nicht, wenn die UEFA sich anderswo einfach über all das stellt und ihre ganz eigenen Gesetze macht.

Es tut mir leid, aber morgen Abend werde ich kein Fußball-Fan sein, das steht fest. 

23.09.2020

Falsche Hilfe bei Facebook

Ein Mensch ist verschwunden. Silvia, 19 Jahre alt, ist nach der Arbeit nicht nach Hause gekommen. Ihr Freund ist voller Sorge. In seiner Angst startet er bei Facebook eine Suchaktion. Er postet ein Bild seiner Liebsten und schreibt dazu: „Bitte helft mir“. Die Leute reagieren sofort. Das Foto der jungen Frau wird in Gruppen und Seiten geteilt. Irgendwer wird sie schon gesehen haben. Sie muss zu finden sein.

Zwei Stunden später ist der Spuk vorbei. Die junge Dame ist wieder daheim. Sie hatte noch einen Arzttermin und vergessen, ihren Partner darüber zu informieren. Ein kleines Happyend am Abend. Die Freude des Wiedersehens ist riesig.

Doch, ist es eigentlich richtig, was hier passiert? 

Wir allen haben schon Beiträge bei Facebook gesehen, in denen ein Mensch gesucht wird und natürlich haben wir auch stets geholfen. So einen Post zu teilen oder weiterzuleiten ist ja auch alles andere als schwierig. Es kostet uns nur einen Klick und der ist schnell getan. Was aber, wenn die besagte Dame (aus dem Beispiel) gar nicht gefunden werden will? Was, wenn sie aus freien Stücken abgetaucht ist? Wir wissen nicht, weshalb - ein für uns völlig fremder Mann – nach einer - für uns völlig fremden Frau – sucht. Würden wir Handynummer oder Adresse, einer guten Freundin, auch einfach so weitergeben? Wahrscheinlich nicht.

In Facebook gehen wir sehr leichtfertig mit Daten, Bildern und Kontakten um. Doch gerade hier sollte „Vorsicht“ besonders großgeschrieben werden. 

Grundsätzlich gilt: Private Such- oder Fahndungsaufrufe sollten ignoriert werden. 

Es kann gute Gründe geben, weshalb ein Mensch untertauchen muss. Gerade jetzt, zu Zeiten von Corona, hat die häusliche Gewalt enorm zugenommen. Nur weil jemand nett schreibt, muss er nicht automatisch auch nett sein.

Personengesuche von Institutionen wie Krankenhäusern, Altersheimen oder einem anerkannten Rettungsdienst, dürfen und sollen dagegen natürlich geteilt werden. Auch Posts von Polizeibehörden gehören hier zu.

Also, schauen Sie sich den nächsten Beitrag dieser Art sehr genau an, ehe Sie in einfach auf ihrer eigenen Pinnwand, einer Seite oder in einer Gruppe veröffentlichen.

23.09.2020

 


Tag der Dankbarkeit

Das kleine Wort „Danke“ trägt nur wenige Buchstaben in sich, seine Bedeutung allerdings, ist dafür umso größer. Ein „Danke“ das von Herzen kommt. Ein „Danke“ mit dem man nicht gerechnet hat. Ein „Danke“ das viel zu lange schon hätte ausgesprochen werden sollen ….

Ein „Danke“ ist immer etwas Schönes, wenn es denn ehrlich gemeint ist.

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich Ihnen das erzähle oder besser schreibe! Möglicherweise denken Sie auch: „Hat der Kerl keine besseren Geschichten auf Lager? Ich denke, er ist Journalist. Gibt es denn nichts Aktuelles?“.

Nun, gestern war der Tag der Dankbarkeit. Bei RTL durften aus diesem Grund ganz besondere Gäste auf dem Ratestuhl von „Wer wird Millionär“ Platz nehmen. Sie alle hatten Großes geleistet und waren von ihren Verwandten und Freunden überrascht worden. Eine tolle Geste und niemand ging am Ende mit leeren Händen nach Haus.

Stellt sich nur die Frage, welches Gefühl wohl stärker war: Die Gewissheit, um 64.000 Euro reicher zu sein oder das tiefe Empfinden, im Leben etwas erreicht und bewirkt zu haben?

Da kommt jemand und erkennt mich, mein Tun und meine Arbeit an. Es geht nicht um ihn, den edlen Geber, es geht um mich! Und, er braucht mir gar nicht viel sagen, keine Liebeshymne auf mich singen, er muss es einfach nur ernst und von Herzen meinen. Sein „Danke“ ist stärker und als jeder Kummer, der mich derzeit berührt, als jede Sorge, die mich im Augenblick quält. Es schenkt mir ein Lächeln und gibt mir ein gutes Gefühl, so dass am Ende ich selbst auch wieder dankbar bin. Das ist es, was gestern Abend bei RTL gezeigt wurde und, es war einfach wunderbar.

Was nehmen wir selbst davon mit? Schalten wir den Fernseher aus und die Sache hat sich damit für uns erledigt? Erfreuen wir uns an dem Mut der Anderen und das war´s`? Wann haben wir selbst zuletzt das Wort „Danke“ genutzt und wem haben wir es entgegengebracht. Gibt es nicht auch in unserem Leben viele Menschen, die wir für selbstverständlich nehmen, so nach dem Motto: „Die sind doch eh immer da“? Ist es nicht die mangelnde Dankbarkeit, die so viele Ehen, Beziehungen und Freundschaften am Ende scheitern lässt?

Wenn die Dinge ihren Lauf nehmen und sie sich einspielen, dann sehen wir sie als gegeben an. Natürlich achtet die eigene Mutter auf mein Kind, sie ist immerhin die Oma. Was anderes kommt ja gar nicht in Frage. Klar steht heute Abend das Essen auf dem Tisch, wenn er von der Arbeit kommt. Er hat den ganzen Tag geschuftet, da kann er doch auch verlangen, dass man für ihn kocht.

Morgen früh ist die süße Bäckerin wieder im Brotladen. Sie strahlt uns an, vielleicht flirtet sie sogar etwas mit uns. Kein Problem, kein Grund zu übertriebener Euphorie. Das macht sie mit jedem und das ist ihr Job. Also, darf man das doch auch erwarten, oder nicht?

Ok, die Dame sah schon etwas müde und erschöpft aus. Aber, sie wollte es ja auch so. Sie hat sich doch ihren Beruf selbst ausgesucht.

Stimmt. Das bedeutet aber nicht, dass wir sie als eine Selbstverständlichkeit sehen sollten, denn morgen ist sie vielleicht krank und ja, dann fehlt auch uns irgendwie was.

Dankbarkeit fängt im Kleinen an. Ein herzliches und liebes „Dankeschön“ kostet uns nur ein Wort, aber es schafft das Gefühl von Wertschätzung und Sympathie. Da kommt wer, der weiß, was ich hier leiste, und er dankt es mir.

Es braucht keinen festen Tag im Jahr um unseren Mitmenschen zu zeigen, dass wir sie sehen und ihr Tun für uns etwas Besonderes ist. In diesem Sinne: Sagen auch Sie einfach mal wieder danke. Ich tue es auch. Danke, dass Sie diesen Artikel von mir gelesen haben, es bedeutet mir wirklich viel. 

22.09.2020

Ein Flüchtlingslager brennt


Europa schaut mit Entsetzen auf die Insel Lesbos und die Bilder die von uns dort erreichen. Sie haben nichts mit dem Charme der Hellenen zu tun, nichts mit Gyros, Ouzo und Sirtaki, nichts von Sonne, Sand, Strand und Meer. Nein, sie sind das Ergebnis einer völlig verfehlten Flüchtlingspolitik und eines absoluten Totalversagens der Europäischen Union.

 

Ich werde in diesem Jahr 44 Jahre alt. Seit ich denken kann, erzählt man mir die so tolle Geschichte eines einheitlichen und friedlichen Europas. Kriege gehören der Vergangenheit an, Grenzen gibt es nicht mehr, alle Menschen haben sich lieb, die pure Harmonie. In Brüssel treffen sich befreundete Staatsmächte. Die Sonne scheint, die Welt ist schön.

Von wegen!!!!Wer heute von “Europas Glückseligkeit” spricht, der verkennt die Realität, so wie sie wirklich ist. Die Lage im spanischen Baskenland war und ist angespannt. Der Ruf nach Unabhängigkeit ist zwar leiser geworden, da ist er aber noch immer. Serben und Kosovaren sind einander, um es nett zu formulieren, nicht gerade freundlich zugetan. Die Griechen haben einen jahrelangen Konflikt mit ihrem Nachbaren Mazedonien erst beendet, als dieser kleinlaut bereit war, seinen Namen zu ändern. Ungarn hat einen riesigen Zaun aus Stacheldraht errichtet. England hat sich gleich ganz verabschiedet.

Europa hat “Großes” bewirkt, ganz ohne Frage, das sage ich völlig frei von jedem Sarkasmus. Wie schwer war es doch, noch vor 30 Jahren einfach mal nach Polen zu reisen. Der Nachbar wirkte meilenweit entfernt. Heute ist es nur ein Katzensprung bis auf dessen Straßen und Märkte. Aber, so wunderbar all das ist, das Bild von Europa, es hat einen gewaltigen Riss bekommen.

 

In Brüssel scheint man in einem ganz eigenen Kosmos zu leben, wo die Probleme unserer Zeit ganz andere sind. Hier kämpft man gegen stromfressende Staubsauger, zu helle Glühbirnen und ganz aktuell, gegen Menthol in Zigaretten. Man könnte fast darüber lachen, wenn es nicht die traurige Wirklichkeit wäre.

Auf der griechischen Insel Lesbos - und nicht nur dort - werden Menschen wie Tiere gehalten, eingesperrt und ihrer Zukunft beraubt. Man lässt sie das Meer überqueren, gaukelt ihnen vor, sie hätten es geschafft und überlässt sie am Ende doch sich selbst. Bei aller Begeisterung für den europäischen Gedanken: In der Krise versagt die EU und hat keinerlei Lösungen anzubieten. Einigkeit und ein geschlossenes Auftreten? Fehlanzeige!

 

Wir streiten darüber, ob wir Menschen helfen sollen und wenn ja, wie vielen von ihnen. Wir diskutieren, ob wir sie verteilen können und wenn ja, wohin und zu welchen Anteilen. Wie zynisch ist das? An die Folge unseres Handelns denken wir dabei nicht. Was wir hier entstehen lassen, das ist ein riesiger Hass auf ein vermeidlich, heiliges und gelobtes Land. Für die Flüchtlinge, die so eingesperrt werden, wird das einstige “Paradies Europa” zu einer “Hölle der Ungewissheit”.

Was züchten wir uns da auf diese Art und Weise heran? Der Terrorismus von morgen wird heute geboren. All die Menschen in den verschiedenen Lagern sind nicht weg, nur weil wir sie nicht sehen wollen oder wir ihren Anblick nicht ertragen können.

Vielleicht sollten wir endlich anfangen und von unserem hohen Ross hinuntersteigen. Wenn Europa eine einheitliche Flüchtlingspolitik nicht realisieren kann, dann muss die EU-Außengrenze ganz anders geschützt und gesichert werden. Eines aber dürfen wir dabei auf keinen Fall tun, weiter wegsehen. Die Flüchtlinge werden kommen und unsere Frage muss sein: Warum?

Haben wir es vielleicht versäumt, die Hilfe dort anzusetzen, wo sie hingehört, nämlich in der Heimat der Vertriebenen? Wir leben im Jahr 2020, warum müssen Menschen heute noch aus Not und Angst in einen fremden Kontinent fliehen? Wo war und wo ist das große Europa im Syrien-Krieg? Hat man in Brüssel wirklich so gar nichts anzubieten? Fakt ist, die Menschen auf Lesbos brauchen eine Zukunft und damit sind nicht nur die Flüchtlinge gemeint. Dieses gilt genauso auch für die Griechen, die hier nun schon seit Jahren mit den Flüchtlingen alleine gelassen werden und die an dieser menschlichen Tragödie fast ersticken. Verzweifelt sind sie schon lange. Den Glauben an die EU haben sie längst verloren. Wo werden diese Griechen bei der nächsten Wahl wohl ihr Kreuz machen? Bei einer sozialistischen Partei, die von der Schönheit Europas philosophiert?

Boote aufs Mittelmeer zu entsenden und Flüchtlinge dort aufzunehmen ist so lange der völlig falsche Weg, so lange man nicht weiß, was mit diesen eigentlich passieren soll. Sie einzusperren ist weder Hilfe, noch menschlich und schon gar nicht christlich. Es ist das Versagen eines ganze Kontinents. Wir müssen endlich aufwachen!

Europa muss handeln, nicht morgen, nicht nächste Woche - JETZT!!!! Wir sprechen hier von Menschen, die das Recht haben, sicher und geschützt in ihrer Heimat zu leben, nicht von Glühbirnen oder Menthol in Tabakwaren. 

20.09.2020


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